19
Okt-2014

(22) Toraja, Sulawesi – Teil 2

Indonesien   /   Schlagwörter:, , ,

Toraja, Sulawesi – Teil 2

(…das Geschäft mit dem Tod, eine große Schweinerei und sicher nichts für schwache Nerven)

Bericht vom 13. – 15.10.2014

In „Makassar“ auf „Sulawesi „angekommen schnappten Erik und ich uns den nächsten Bus, der abends um 20.00 Uhr nach „Toraja“ fuhr, unserm nächsten Ziel. Wir wussten eigentlich nicht viel über Toraja (spricht man „Toradscha“) außer, dass dieser Ort im Speziellen für irgendwelche Toten-Zeremonien bekannt war. Also stand mal wieder ein bisschen Kultur auf dem Programm.

Toraja ist so auch bekannt für seine einzigartige Dachformen auf den all den Häusern…
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Die Busfahrt dorthin dauerte weitere 10 Stunden. Angekommen in aller Herrgotts-Früh, suchten wir uns, doch leicht neben der Spur, erst mal ein Hotel. Es war nichts Besonderes, auch habe ich den Namen schon wieder vergessen. Es hatte aber zumindest ein Swimming Pool, der jedoch bestimmt schon Monate nicht mehr gereinigt wurde – Auch wenn es auf den Bildern nicht so wirkt… Swimmingpool fiel aus wegen „iiihhhhhh, pfui“!!!

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Eingecheckt im Zimmer gönnte sich jeder von uns erst mal ein richtig schönes, heißes Bad. Ihr wollt sicher nicht wissen, welche Farbe das Badewasser nach 2 Tagen Reise auf Schiff und Bus hatte wink  Sich mal wieder sauber zu fühlen, rasiert zu sein und angenehm zu riechen und saubere Klamotten anzuhaben….Wow! Das war wie Neugeboren! :p

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Diesen Tag nutze ich dann mal komplett um mich auszuruhen, zu schlafen und ein bisschen zu bloggen. Am nächsten Tag liehen wir uns 2 Roller aus und schnappten uns eine Einheimische „Ritha“, die uns als gut englisch sprechender weiblicher Guide durch die Gegend und an die Plätze führte, wo die Toten-Zeremonien stattfanden. Es ist nämlich eigentlich fast unmöglich, ohne Guide an einer solchen Zeremonie teilzuhaben. Außerdem hat man auf eigene Faust auch nicht die geringste Chance, die entsprechenden Plätze, irgendwo in the middle of nowhere in einem kleinen Village überhaupt zu finden. Englisch spricht auf dem Land sowieso niemand. Sich nach den Orten durchzufragen fällt also mal komplett aus.

So ganz verstanden habe ich die ganzen Zeremonie-Kisten leider nicht. Es gibt aber rund um Toraja wohl jeden Tag irgendwelche Totenzeremonien unterschiedlicher Kulturen, die über mehrere Tage andauern und in mehreren Prozessschritten durchgeführt werden. An einem Tag wird z.B. ein Haus gebaut, am nächsten wird gebetet und irgendwann findet dann die eigentliche Bestattung statt. Irgendwann heißt, dass die Toten u.U. auch mehrere Wochen zuhause aufbewahrt oder gelagert werden bis es soweit ist. Warum die das machen? Hmm? Wenn ihr das genau wissen wollt, bitte ich euch im Internet nachzulesen.

Die Toten werden jedenfalls irgendwann in sog. Stone-Craves (Gräber in Stein) gebettet. Opfergaben wie Schmuck, Geld etc. werden den Gräbern dann noch beigelegt ehe diese dann vor Diebstahl gesichert und verschlossen werden. Ein Grab in einen Stein zu meißeln dauert lt. unsrem Guide bis zu 5 Monate und kostet round about 300 bis 400,- -Euro.

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An einem Tag der gesamten Zeremonietage findet dann das statt, was manchem Einen vielleicht den Magen umdrehen mag. Andere Touristen die ich getroffen habe, waren auch sehr schockiert und mitgenommen und hatten dafür nur wenig Verständnis. Es handelt sich nämlich um…

Die Büffelopferungen

Je nach Prestige, gesellschaftlichem Status und natürlich auch finanziellen Mitteln werden einem Toten bis zu 20 Büffel geopfert – also keine Sache für den normalen Bürger, da hierzulande ca. 300,- € für einen Büffel bezahlt werden muss. Am Tag der Büffelopferung treffen sich alle möglichen Leute, vorwiegend Familienangehörige und wohnen einem „grausigen“ Ritual bei. Aber auch Touristen wie wir können mit anschließendem Tip (Spende) für die Familie an diesen Ritualen teilhaben – Guide vorausgesetzt!

Nachdem alle ihre Plätze eingenommen hatten…

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ging die ganze Schoße dann los. Die Büffel befandensich angebunden in der Mitte des Platzes und wussten womöglich schon, was ihnen gleich blühen wird. Es wurde ihnen nämlich unter lautem Gebrülle und Beifall der Zuschauer einfach die Kehle aufgeschnitten, sodass das Blut nur so aus ihnen herausspritzte und die Tiere langsam verbluteten.

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Wenn ich das z.B. mit einem Menschen vergleiche, wäre dieser nach einem Schnitt durch die Kehle sicherlich binnen Sekunden/Minuten Tod. Ein Büffel aber kann bis zu einer viertel Stunde mit dem Tod ringen, ehe er es dann endlich überstanden hat. Es kommt auch immer wieder vor, dass die Büffel nach Minuten mit letzter Kraft völlig unkontrolliert in die Zuschauerplätze rennen oder springen, die Leute mit Blut einsauen und/oder dort auch noch Schaden anrichten und jemanden verletzten, so wie wir es gesehen haben. Passiert dies, jubeln und applaudieren die Zuschauer umso mehr.

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Ich habe mir hierzu viele Fragen gestellt, ob sowas wirklich sein muss? Warum kann, wenn schon ein Büffel geopfert werden soll/muss, dem Büffel nicht auf humane Art und Weise einfach das Licht ausgeblasen werden? Warum muss das auf eine so brutale Art- und Weise passieren und warum müssen die Tiere erst noch minutenlang leiden? Das einzig Positive das ich dem Ganzen unterm Strich abgewinnen konnte ist, dass das Fleisch der Büffel dann auch gegessen wird und somit viele Leute ernährt.

An einem anderen Ort haben wir dann gesehen, wie die Büffel – es werden im Übrigen auch Schweine auf die gleiche Art- und Weise geopfert – dann ausgenommen, zerlegt und das Fleisch verkauft wird.Sulawesi089-Toraja

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Warum überhaupt das Ganze Prozetere mit den Büffeln?
Weil die Leute hier an Wiedergeburt glauben und je mehr Büffel einem Toten geopfert werde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, direkt ins Paradies zu kommen.

In der Stadt Toraja findet man dann auch den Büffel- und Schweinemarkt, auf dem die Tiere eigentlich nur für die Opferungen unter katastrophalen Bedingungen gehalten werden.


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Mein persönliches Fazit:

Man kann über die Sache denken wie man will und auch sicherlich ganz kontroverser Meinung sein – Da fallen mir parallel dazu eben grad auch die Stierkämpfe in Spanien, Pamblona ein… in meinen Augen ein ähnlicher Schwachsinn der hauptsächlich nur zur Belustigung der Zuschauer dient und auf Kosten der Tiere geht. Es gibt hierzu aber sicher noch zig andere Beispiele auf der Welt…

Wie ihr schon bemerkt habt, bin ich persönlich ein strikter Gegner von jeglicher Tierquälerei und Tieropferung für welchen Zweck auch immer. Und wenn als Grund oder Auslöser dafür dann auch noch die Religion ins Spiel kommt, kotze ich fast ins Essen. Es bleibt mir aber erst mal nichts anderes übrig, als das alles zu akzeptieren –ich kann es eh nicht ändern. Ob ich es auch respektieren werde, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, werde mir aber sicher noch viele Gedanken darüber machen und es vorerst und unter der Kategorie „Andere Länder, andere Sitten, andere Kultur“ abhaken.

Apropos Essen

Ich erwähnte ja bereits, dass die Tiere dann anschließen auch gegessen werden und die Menschen ernähren. Rein unter diesem Gesichtspunkt muss man das Ganze vielleicht anders betrachten, denn die Meisten von uns wie ich auch, essen Fleisch und Fleisch wächst nun mal nicht im Supermarkt (zumindest noch nicht stuck_out_tongue_winking_eye)

Es schadet daher bestimmt keinem, einfach mal über dieses Thema nachzudenken und sich vielleicht die Frage zu sellen: „Müssen wir wirklich so oft in der Woche Fleisch essen oder reicht vielleicht auch ein- oder zweimal pro Woche?“ In meiner Generation jedenfalls war das früher mal so, dass es nur einmal in der Woche Fleisch gab. Auch ich werde mich hierzu selber mal gründlich an der Nase fassen, versprochen!

Lasst uns gerne gemeinsam darüber diskutieren und schreibt mir eure Meinung!

That´s all Folks!
LG Mik

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 likes / 2 Kommentare
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  • Stubsi = Auch gerne Tüttel genannt** sagt:
    Je höher das Ansehen des Toten ist, umso mehr Wasserbüffel (die weißen gelten als die wertvollsten) müssen bei dem Fest geopfert werden. Die Wasserbüffel sind ein Symbol für Macht und Reichtum. Die Toraja glauben, dass der Verstorbene die Büffel braucht, um seine Reise ins Jenseits zu machen, und dass sie schneller nach Puya kommen, wenn viele Büffel geopfert wurden.

    Ich mag Toraja nicht :(

  • Mik sagt:
    Erst mal danke für die kurze Ergänzung. Toraja ist schon ein spezieller Ort, der wie schon beschrieben nicht jedem gefällt.

    Noch andere Meinungen?

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